Kleine Sportart, riesiger Spaß
Karin Gnann holt Gold bei Indiaca-WMKarin
Gnann aus Holzkirch ist mächtig stolz. Verständlich, schließlich hat
sie sich bei den Indiaca-Weltmeisterschaften in Luxemburg die
Goldmedaille mit der Senioren-Mixed-Mannschaft geangelt.
PHILIPP WISSMANN
Ein Schritt in Karin Gnanns Holzkircher Heim
und schon ist klar: Die 42-Jährige lebt für ihren Sport. Ein riesiger
Pokal schmückt die Eingangshalle. Der "Pott" ist allerdings schon ein
wenig älter, als das Edelmetall, welches Gnann zuletzt umgehängt bekam.
Bei den Weltmeisterschaften im Luxemburgischen Nordstad nämlich, wo sie
mit der Mixed-Mannschaft in der Klasse über 40 Jahre Gold holte. Schon
im Vorfeld des internationalen Wettbewerbs war die deutsche
Nationalmannschaft als Favorit auf den Titel gehandelt worden - oder
vielmehr auf die Titel, schließlich trat die Equipe in sechs Klassen
an. Und kletterte dabei fünfmal ganz nach oben auf dem Stockerl.
Zum ersten Mal in ihrer Karriere war Gnann in der Seniorenklasse
gestartet. Noch vor vier Jahren - bei der vorhergegangenen WM in Japan
- stand sie im Aufgebot der offenen Klasse "Womens Open" und holte die
Bronzemedaille. Diesmal war es Gold. "Das ist schon toll, den Titel zu
gewinnen", strahlt die frisch gebackene Weltmeisterin und plaudert aus
dem Nähkästchen. Sechs Nationen waren vertreten: Japan, Estland, Polen,
die Schweiz, Gastgeber Luxemburg und natürlich Deutschland.
"Die Sportart ist bei uns noch sehr klein.
Aber sie wächst", sagt Gnann. Dementsprechend ginge es bei der WM sehr
familiär zu. "Wir kennen uns alle. Es ist somit auch ganz viel Spaß
dabei", berichtet die Holzkircherin über die Atmosphäre bei den
Weltmeisterschaften, die im Vierjahresrhythmus ausgetragen werden.
Organisiert wird die WM vom 2000 in Berlin gegründeten Internationalen
Indiacaverband IIA.
Die größte Popularität genießt der Sport in Japan, wo rund eine
Million Aktive gemeldet sind, in Deutschland sind es vergleichsweise
wenig mit 20 000 Spielern. Außer den Nationen, die auch bei der WM
vertreten waren, haben sich dem jungen Verband auch die Slowakei und
Brasilien angeschlossen. Kandidaten für einen baldigen Beitritt sind
laut Angaben der "Luxemburger Stimme" Italien, Indonesien und
Argentinien. Auch in Skandinavien bestünden Bestrebungen, die Sportart
zu fördern.
Seit 25 Jahren jedenfalls geht Karin Gnann begeistert beim Indiaca ans
Netz. Ihre ersten Schritte machte sie beim CVJM (Christlicher Verein
junger Männer), welcher die Sportart seit 50 Jahren bei eigens
organisierten Wettbewerben betreibt. Schnell hatte sie Gefallen an dem
ausgefallenen Sport gefunden und begann, kontinuierlich zu trainieren.
"Dann waren wir so erfolgreich bei Turnieren, dass wir uns dachten:
warum nicht mal beim Deutschen Turnerbund (kurz: DTB, d. Red.)
mitmischen", erklärt die 42-Jährige. Mit dem VfL Gerstetten seien
schließlich mehr und mehr Erfolge eingeheimst worden. Den größten Coup
landete der Klub im Jahr 2006, als er jegliche Konkurrenz auf
Bundesebene in den Schatten stellte, sich als einziger Vertreter
Deutschlands beim Indiaca-Weltcup qualifizierte und diesen
schlussendlich für sich entschied - womit wiederum der große Pokal in
Karin Gnanns Eingangshalle seine Bedeutung zugewiesen bekommt.
Zur WM reiste Gnann selbstverständlich nicht mit "ihrem" VfL, sondern
mit einer nationalen Auswahlmannschaft, für die sie sich bei
Sichtungslehrgängen empfohlen hatte. Nach sechs gemeinsamen
Trainingslagern war die Truppe fit für Luxemburg und das "Unternehmen
Gold." Dass dieser Plan so problemlos funktioniert hat, ist nicht
selbstverständlich - sondern mit dem nötigen Quäntchen Trainingseifer
verbunden. Sie sei im Vorfeld der WM "gelaufen, gelaufen und nochmal
gelaufen", erzählt Karin Gnann und ergänzt schmunzelnd: "Nun kann ich
auf alle Fälle beim Ulmer Citylauf mitmachen - das dürfte kein Problem
sein."
Erscheinungsdatum: Mittwoch 27.08.2008
zurück zur Ressort-Übersicht